Dresdens erster Elektrobus on Tour

 

Auf der Linie 61 fährt bald Dresdens erster Batteriebus. Der Testlauf soll wichtige Erkenntnisse liefern.

Die Fahrgäste werden den Unterschied sofort merken – und das liegt nicht nur an dem ungewöhnlichen Äußeren. Bereits seit dem Sommer rollt Dresdens erster Batteriebustestweise durch Dresden. Ab November soll das Fahrzeug nun auch ganz regulär im Linienbetrieb der 61 eingesetzt werden. „Das Brummen des Dieselmotors fällt weg“, sagt der Projektleiter am Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme, Thoralf Knote. „Man wird stattdessen nur ein leises Summen hören.“ Der 46- Jährige, der das Projekt seit dem Start vor zweieinhalb Jahren leitet, ist angetan von der Technik. „Wir sind mit der Funktionsweise des Busses sehr zufrieden“, sagt der Ingenieur. „Und auch die Ladestation macht, was sie soll.“

Ganz unbekannt ist diese Technik in Dresden nicht. Von 1949 bis 1975 waren die Oberleitungsbusse, besser bekannt als O- Busse, regelmäßig auf den Linien 61 und 62 unterwegs. Der neue, zwölf Meter lange Bus, in dem Platz für ungefähr 70 Menschen ist, wird derzeit im Grunaer Busbetriebshof auf den Linienbetrieb vorbereitet. Unter anderem bauen die Dresdner Verkehrsbetriebe Fahrscheinentwerter und die Technik für das Betriebsleitsystem ein. In DVB- Gelb wird der Bus aber nicht umlackiert. Er ist Eigentum des Fraunhofer Instituts und bleibt deswegen und bleibt deswegen in der Farbe der Forschungseinrichtung – unten Weiß und auf dem Dach Mintgrün.

Wann genau der Linienbetrieb startet, will Projektleiter Knote noch nicht verraten. „Es ist ein reines Versuchsfahrzeug“, sagt er. Es könne deswegen durchaus sein, dass sich der geplante Start kurzfristig noch einmal verzögere. „Es wird aber für den Bus einen richtigen Fahrplan geben.“ Den Verkehrsbetrieben kommt das recht, weil die Linie 61 überlastet ist und der Elektrobus von Montag bis Freitag zusätzlich eingesetzt werden kann.

Pendeln wird das innovative Fahrzeug auf einem Teilstück der Linie zwischen dem Busbetriebshof Gruna und der Endhaltestelle auf der Tharandter Straße in Löbtau. Auf dem Dach befindet sich die Batterie, die den Elektromotor mit Energie versorgt. Die Leistung des Speichers reicht für die rund 14 Kilometer lange Strecke von Gruna nach Löbtau und zurück. Am Busbetriebshof wird die Batterie in sieben bis acht Minuten aufgeladen.

Die Station dafür ist bereits seit mehreren Wochen fertig. Wenn der Bus in die Haltestelle fährt, empfängt der Wagen Signale von kleinen Sendern, die in den Bordstein eingebaut sind. Erreicht der Bus eine bestimmte Position, fährt der Stromabnehmer auf dem Dach automatisch nach oben aus und dockt an einer Haube, die etwa vier Meter über der Straße montiert ist, an. In weniger als einer Sekunde ist der Kontakt hergestellt, und der Strom fließt in den Bus. Es wird immer soviel nachgeladen, dass er die Strecke bis nach Löbtau und zurück aufs Neue schafft.

Der Härtetest im Linienbetrieb soll nun zeigen, ob das so reibungslos funktioniert wie in den vergangenen Wochen. Vor allem wollen die Fraunhofer- Forscher aber wissen, wie die Fahrer der Verkehrsbetriebe mit dem Wagen und dem Ladesystem zurechtkommen. „Uns interessiert vor allem die Meinung der DVB- Fahrer“, sagt Knote. Die Fahrgäste werden den Unterschied zu einem handelsüblichen Dieselbus nicht nur wegen der größeren Ruhe im Wagen spüren, sondern auch wegen des gleichmäßigeren, ruckelfreien Anfahrens – ähnlich wie bei der Straßenbahn. „Auch für die Anwohner an den Haltestellen ist der Elektrobus angenehmer“, sagt Knote. „Es gibt keine Motorengeräusche mehr.“

Dass der Bus bald im Linienbetrieb durch Dresden rollt, ist eine Leistung verschiedener Unternehmen unter der Leitung des Fraunhofer- Instituts. Die Projektkosten von rund drei Millionen Euro trägt zum großen Teil das Bundesforschungsministerium. „Wir wollen mit dem Projekt zeigen, dass ein batteriebetriebener Bus mit einer Nachladestation kein Hexenwerk ist, sondern ein Konzept, das gangbar ist“, sagt Knote. Für den Durchbruch auf dem Markt seien die Batterien derzeit noch zu teuer. „Aber die Preise für Batterien und Batteriebusse werden sinken. Und wir sind gut beraten, uns nach Alternativen zu den fossilen Brennstoffen umzuschauen.“

Der Linienbetrieb des vollelektrischen Busses ist erst einmal nur bis Ende Januar nächsten Jahres geplant. Sollten die Verkehrsbetriebe an einer Fortsetzung interessiert sein, könnte der Testlauf verlängert werden. Außerdem ist denkbar, dass der Bus in anderen Städten eingesetzt wird und dort Werbung für den elektrischen Nahverkehr macht.

Quelle: Sächsische Zeitung vom 01./02. November 2014


Im Einsatz ist das Fahrzeug momentan auf der Linie E61 zwischen Btf. Gruna und Löbtau! (Anm. stena)


ACHTUNG!!! Das Bild ist eine Fotomontage! Bus und Bahn fahren an dieser Stelle nie zusammen los!

Und nun ein paar Detail-Aufnahmen!

 

 





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